Reduktion - oder wie aus Ragout eine Brühe wird PartII

Zwischenmenschliches, Beziehungen/Freundschaft
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nemesus
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Reduktion - oder wie aus Ragout eine Brühe wird PartII

Beitrag von nemesus » Do 17. Jul 2008, 08:55

In diesem Post habe ich mich nun bemüht, redundante Einträge herauszufiltern. Wie viel Inhalt die einzelnen Bereiche nun haben, steht in den Klammern. Allerdings habe ich den Geschmack bewusst massiv reduziert. Der Geschmack ist nach meinem Empfinden nur dann interessant, wenn es darum geht, über die Architektur eines idealen Umfeldes nachzudenken. Den Geschmacks-Bereich setze ich deshalb ans Ende dieses Posts.

im idealen Umfeld (40 %)
- wird mit Achtung und Aktivität agiert
- helfen äquivalente Menschen sich gerne
- leben denkende, offene, neugierige, differenzierte, weise, interessante, seelisch ausgeglichene aufrichtige, interessierte Wesen
- können Menschen real agieren und haben große Freiräume
- trainieren Menschen Körper, Verstand und Seele
- empfinden Freunde erlebte Situationen äquivalent
- herrschen Gerechtigkeit, Verbundenheit, Loyalität, Frieden und Harmonie bei hoher und intensiver Emotionalität
- wird Klassenkampf durch sportlichen Wettkampf ersetzt
- sind Überraschungen an der Tagesordnung
- werden Gespräche gesucht, um Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu finden
- wird TeamWork geschätzt
- werden positive und negative Entwicklungen bemerkt und über angemessen Feedbacks behandelt
- werden Beziehungen zu Menschen verantwortsvoll gepflegt
- wird Sexualität einem gebührenden Stellenwert gegeben
- können sich Menschen schnell erreichen
- herrscht Unkompliziertheit bei großer Komplexität
- werden Interessen geteilt
- ist die Atmopsphäre voller Inspiration und Tatendrang
- hat jeder Mensch nützliche Aufgaben, die ihn erfüllen
- empfinden sich die Menschen untereinander als seelenverwandt
- existieren genügeng Rückzugsmöglichkeiten
- wird bei den Grundlagen begonnen
- werden Diskussionen konstruktiv geführt
- werden aus Unverstandenen Verstandene
- werden komplexe Zusammenhänge mit spielerischer Leichtigkeit und leidenschaftlicher Vorstellungskraft erforscht
- haben Freunde eine hohe Verlässlichkeit aufeinander
- werden Blockaden abgebaut
- wird miteinander und voneinander gelernt
- gibt es viele Freizeitmöglichkeiten
- werden Einigungen erzielt, die auf Verständnis, nicht auf Kompromissen basieren
- befreien sich Individuen, indem sie sich untereinander gegenkonditionieren
- wird Neuem und Fremden mit Aufmerksamkeit begegnet
- werden Konflikte geklärt, Missvertsändnisse ausgeräumt und Probleme gemeinsam und in Eigenverantwortung gelöst
- werden schädliche Masken von den Gesichtern gerissen
- sind Technik und Natur im Einlang - Überlegende Technik hält sich im Hintergrund und ist da, wenn sie gebraucht wird
- wird auf Menschlichkeit und Emphatie besonders geachtet
- herrschen die selben dynamischen Grundwerte
- wird gemeinsam gelebt, trainiert und gearbeitet
- werden blinde Flecken entfernt und eigenständiges Denken und Wahrnehmen gefordert
- wird kritisch hinterfragt


im nicht edealen Umfeld (20 %)
- machen sich Menschen etwas vor und unterstützen sich dabei gegenseitig
- existieren Regeln und Normen
- wachsen Müdigkeit und Empfinden von Ohnmacht
- werden Zustände hingenommen, die nicht vertretbar und auf Dauer für die Seele ungesund sind
- werden aufrichtige Wünsche entwertet
- fühlen sich Menschen verloren
- schränken Beziehungen die individuelle Freiheit ein
- werden Menschen in Schubladen und Schablonen gesperrt
- werden Menschen auf frühere Meinungen festgenagelt und Würde aberkannt
- wird Eigenverantwortung abgelegt
- wird die Außenwelt als nervend, frustrierend und überlebensfeindlich empfunden
- herrschen mangelnde Empathie und gesteigerte Gleichgültigkeit
- führt ein feindliches Klima zum Schweigen
- führt genormtes Denken zum "Fachidiotentum"
- diktiert die Politik immer mehr Gesetze, die die persönlichen Freiheiten beschneiden
- herrscht ein bissiger und kontraproduktiver Diskussionsstil
- nehmen blinde Flecken, Unreflektiertheit und Ungerechtigkeit zu
- herrscht starke, unerkannte und manipulierende Gruppendynamik
- tritt das Selbst hinter Masken und Profilneurosen zurück
- siegen Ignoranz, Überheblichkeit, Selbstgerechtigkeit und Kritikunfähigkeit


Ein Großteil derer, die hier posten (15 %)
- möchten an sich mehr arbeiten, bestimmte Verhaltensweisen ablegen, mit Problemen anders umgehen und größere Klarheit erlangen
- suchen nach Antworten, Grunprämissen, emotionaler Erfülltheit / Wegen, denen sie folgen können, ohne sich verbiegen zu müssen / möchten ihre Bestimmung erkennen
- streben nach Gemeinschaft bei Wahrung ihrer Individualität
- leiden manchmal an fehlender Energie, mangelnder Disziplin, innerer Leere, an Verlust-, Versagensängsten (ink. der Angst, Menschen falsch zu behandeln) und Panikattacken
- sehnen sich nach innerer Ruhe, Verbundenheit, mehr Intensität, größerem Tatendrang und mehr Selbstreflexion
- möchten sich in Menschen spiegeln und voneinander lernen
- schätzen Sport, würden ihm jedoch gerne mehr nachgehen
- streben nach Intensität und Aktivität
- möchten mehr Eigenverantwortung übernehmen
- bedauern es, bisher zu wenig erreicht zu sein / fühlen sich zeitweilig gescheitert, unzufireden, zu träge und zu langsam, nicht auf der geistigen Höhe
- haben Probleme, "zeitlich alles unter einen Hut" zu bekommen
- streben nach tiefen Einsichten, die sich emotional, mental, körperlich und in Taten manifestieren
- wären gerne erfolgreicher und emotional ausgeglichener
- möchten sich nicht verstellen müssen
- würden gerne wissen, wie sie die für sich richtigen Leute kennenlernen


Abstrahierter Geschmack: die hier beteiligten Poster mögen(10 %)
- Spiele und Vergnügungen
- Stimmungen, Nostalgie, Musik auch alleine geniessen
- Technik
- Natur und Kräuter
- Bücher
- Sport
- gemeinsames Arbeiten
- Kommunikation
- Inspiration
- gemeinsames Wohnen mit Kind, Kegel und Tier


Vorgeschlagene, nach Außen gerichtete Aktivitäten und Anliegen sind (8 %)
- Konstruktion einer neuen Welt
- Schaffen und Vollenden von Wissenschaft, Kunst und Technik um neue Impulse zu setzen
- durch vermittelte/vorgelbete Visonen und Aufrufe inspirierend auf den Rest der Gesellschaft wirken
- Geld verdienen, mittels gemeinsamer Projekte (auch im Web)
- sich neuen Aufgaben stellen
- Schaffen von gemeinsamen Treffpunkten
- Vergrößerung der Einflussnahme
- gemeinsames Reisen, bzw. Schaffen besserer Vorraussetzungen für dieses Ziel


sich herauskristallisierende Haltung zum Umgang mit Kindern (5 %):
- Kinder sind vor durch verantwortungsvollen Umgang zu schützen, nicht durch Gesetze
- Durch richtigen Umgang mit Kindern kann und sollte dem Entstehen von blinden Flecken und Profilneurosen vorgebeugt werden
- in Kindern steckt, unter idealen Vorraussetzungen, das Potential, zu einer Generation zu werden, die alles Bisherige weit in den Schatten stellt
- die Offenheit, Jugendlichkeit, Gesundheit und das Fehlen von unbewusst wirkenden Filtern kann als Ideal verstanden werden
- Anti-Erziehung ist ein vielversprechender Ansatz


sich herauskristallisierende Haltung zum Umgang mit Tieren (2 %):
- Es gilt, das Leid mit allen Mitteln zu verringern.
- Um Leid verringern zu können bedarf es einer starken Bewusstseinsveränderung der Masse
"Manchmal bin ich so geistreich, dass ich nicht ein einziges Wort von dem verstehe, was ich sage." - Oscar Wilde

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Re: Reduktion - oder wie aus Ragout eine Brühe wird PartII

Beitrag von sandu mehta » Di 29. Jul 2008, 14:19

naja, dann geh ich doch mal auf ein paar sachen ein:

zuerst mal sieht mir das ganze hier vor allem nach schoenen wuenschen aus. es laeuft gefahr, dass es zu frommen wuenschen wird, die man selbst nicht erfuellen kann oder nicht wird. jedenfalls scheinen mir viele "idealen" eigenschaften, die hier genannt wurden, von uns selbst nicht gerade gelebt werden. nun muss also, sofern die genannten werte tatsaechlich sehr wichtig sind, alles daran gesetzt werden, sie zu etablieren. doch wie? dazu koennte dieser thread auch schon implizit anregungen geben, aber es ist meines erachtens doch noch zu wenig. vielleicht muss es auch eine zeitlang dauern, und kostet viel muehe, wege zu finden und zu gehen. ich hab andererseits aber auch nicht vor, mein leben lang zu arbeiten fuer etwas, das ich erst zum ende des lebens, oder nicht einmal dann, genießen kann..


wie auch immer. ich scheine nicht jedem punkt ganz zuzustimmen. sind aber meist eher kleinigkeiten.
im idealen Umfeld (40 %)
- trainieren Menschen Körper, Verstand und Seele
das klingt mir irgendwie noch zu zielgerichtet, zu sehr nach arbeit. "entfalten" statt "trainieren" und ich wuerd dem lieber zustimmen. wie gesagt, kommt es mir hier manchmal etwas vor, wie wenn noch ein haufen anstrengender arbeit vor uns liegen soll. da hab ich kein bock drauf. ich mag jetzt sofort etwas verbessern und die fruechte dieser verbesserung genießen. deswegen sympathisiere ich auch momentan vor allem mit spirituellen ansaetzen i.s. von j. krishnamurti. d.h. vor allem die gegenwart ins auge zu fassen, und keine großen hoffnungen oder aengste in die zukunft zu verlagern; einen gesamtblick und eine gesamt-veraenderung spontan zu erreichen, ohne dafuer muehsam einzelne schritte gehen zu muessen.
natuerlich kann man immernoch fuer die zukunft projekte planen und schritt fuer schritt durchfuehren: aber das ist dann eben nicht mehr das wichtigste, nicht mehr das, worauf es fuers "seelenheil" ankommt.

- wird Klassenkampf durch sportlichen Wettkampf ersetzt
ich weiss nicht, was das genau bedeuten soll. aber zuerst einmal klingt es so, als wuerde es oekonomisch gemeint sein: wer leistungsfaehiger ist, bekommt die hoeheren preise. ich wuesste nicht, wo da der unterschied zum klassenkampf ist. ich hab jedenfalls wenig bock auf wettkaempfe. wenn ich spielen will, geht das auch ohne. und wenn man was leisten will, koennte man es eventuell auch so loesen, dass jede tut was sie kann und bekommt was sie braucht - aber hab auch keine ahnung ob das aufgehen wuerde. jedenfalls glaube ich, wuerden manche mit leichtigkeit etwas ueberschuss produzieren, und faende es gut, wenn sie dann lieb zu anderen sind und das mit anderen gerne teilen. aber ob das noch mit sportlichem wettkampf vereinbar ist?

- werden Beziehungen zu Menschen verantwortsvoll gepflegt
na ja, auch wenn du dich nicht fuer tiere und so interessierst: ich - und meta sicher auch - faende schon wichtig, auch beziehungen zu tieren und natur verantwortungsvoll zu pflegen.

- empfinden sich die Menschen untereinander als seelenverwandt
das hier ist extrem. natuerlich waere das super. aber hier werden doch die grenzen bzw. moeglichkeiten des plateau ziemlich bedeutsam: erzwingen kann man seelenverwandtschaft nicht. aber gibt es ein rezept, sowas zu erlangen? denke auch nicht. bleibt zu hoffen, man findet sich.

- wird auf Menschlichkeit und Emphatie besonders geachtet
eigentlich nur eine kleinigkeit: inwiefern man noch von menschlichkeit sprechen kann, wo viele als menschlich geltenden eigenschaften wie vor allem moralitaet, abgelegt werden, weiss ich nicht. andererseits ist es natuerlich auch mehrdeutig von "unmenschlichkeit" oder von "uebermenschlichkeit" zu sprechen ;)

- wird gemeinsam gelebt, trainiert und gearbeitet
da wir hier von einem idealen umfeld sprechen, also einer art utopie, mag ich gerne nicht arbeiten! (arbeit i.s. von muehsal, notwendige anstrengung, plackerei, usw.) allerhoechstens wuerde ich eine "erfuellende" arbeit wertschaetzen, die also schon waehrend des "arbeitens" ihren ganzen zweck erfuellt. aber das wuerde ich dann nicht mehr arbeit, sondern bspw. spiel oder kunst nennen.

- werden blinde Flecken entfernt und eigenständiges Denken und Wahrnehmen gefordert
das greife ich mal raus zur problematisierung des begriffes "wahres selbst" o.ä., der hier oefter mal faellt. ich finde ja erstens nicht, dass es sowas gibt, zweitens nicht, dass es sowas geben sollte. oder andersrum: das ablegen von blinden flecken, illusionen und masken, bedeutet fuer mich auch die ablegung des "ego" als solchem. natuerlich kann man dann vom uebrig-bleibendem noch von "wahrem selbst" reden, wie z.b. auch buddhisten von der "buddhanatur" in allen reden, doch das waere dann eben etwas voellig anderes, etwas weniger begrenztes. wenn manchen das hier zu spirituell klingt: gerade das spirituelle erscheint mir hier etwas zu kurz zu kommen. oder anders gesagt: individualitaet wird hier anscheinend groß geschrieben, aber vielleicht noch zu groß.


ps: bitte keine bueroraeume fuer mich! :shock:
leben muss magie sein, sonst ist es nichtig.

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Re: Reduktion - oder wie aus Ragout eine Brühe wird PartII

Beitrag von nemesus » Di 29. Jul 2008, 20:21

naja, dann geh ich doch mal auf ein paar sachen ein:

zuerst mal sieht mir das ganze hier vor allem nach schoenen wuenschen aus. es laeuft gefahr, dass es zu frommen wuenschen wird, die man selbst nicht erfuellen kann oder nicht wird. jedenfalls scheinen mir viele "idealen" eigenschaften, die hier genannt wurden, von uns selbst nicht gerade gelebt werden
Sehe ich leider auch so... Macht mehr!
das klingt mir irgendwie noch zu zielgerichtet, zu sehr nach arbeit. "entfalten" statt "trainieren" und ich wuerd dem lieber zustimmen. wie gesagt, kommt es mir hier manchmal etwas vor, wie wenn noch ein haufen anstrengender arbeit vor uns liegen soll. da hab ich kein bock drauf.
Ich habe Bock drauf irgendwann in einer Siedlung von Menschen zu leben, die ich als "open minded" beschreiben will. Dazu braucht man Land, Raum zu Leben, zum Trainieren, von mir aus, zum Entfalten. Wenn Du dafür nicht arbeiten willst, dann wirst Du mit 30 oder 40 in einer Mietwohnung enden und mit Deinem Partner gemeinsam vervlöden.
Da habe ich keinen Bock drauf, aber ich schreibe Dir mal ne Karte.
Zitat:
- wird Klassenkampf durch sportlichen Wettkampf ersetzt

ich weiss nicht, was das genau bedeuten soll. aber zuerst einmal klingt es so, als wuerde es oekonomisch gemeint sein: wer leistungsfaehiger ist, bekommt die hoeheren preise. ich wuesste nicht, wo da der unterschied zum klassenkampf ist. ich hab jedenfalls wenig bock auf wettkaempfe. wenn ich spielen will, geht das auch ohne.
Äh...
Schonmal ne Partie Schach gespielt? Oder Fangen?
Spiele und damit Spass basieren darauf, sich als Spieler zu beweisen. Das ist ein Wettkampf.
Es gibt KEIN SPIEL, wenn es unmöglich ist, zu verlieren oder zu gewinnen. Und ohne Spiel kein SPIELSPASS.
Zitat:
- werden Beziehungen zu Menschen verantwortsvoll gepflegt

na ja, auch wenn du dich nicht fuer tiere und so interessierst: ich - und meta sicher auch - faende schon wichtig, auch beziehungen zu tieren und natur verantwortungsvoll zu pflegen.
Ich habe die Aussagen von einem Dutzend Menschen zusammen gefasst. Und in dieser Zusammenfassung war der Fokus nunmal auf Menschen gerichtet. Ich glaube nicht, dass das Dutzend auch im Forum der Tierhasser angemeldet ist, nur deshalb, weil für sie der Punkt nicht extrem wichtig in ihrem Leben ist.
Zitat:
- wird gemeinsam gelebt, trainiert und gearbeitet

da wir hier von einem idealen umfeld sprechen, also einer art utopie, mag ich gerne nicht arbeiten! (arbeit i.s. von muehsal, notwendige anstrengung, plackerei, usw.) allerhoechstens wuerde ich eine "erfuellende" arbeit wertschaetzen, die also schon waehrend des "arbeitens" ihren ganzen zweck erfuellt. aber das wuerde ich dann nicht mehr arbeit, sondern bspw. spiel oder kunst nennen.
Vielleicht, sandu, hast Du nur ein sehr verschrobenes Bild von Arbeit. Ich glaube fest daran, dass der Mensch ohne Arbeit zugrunde gehen würde. Es heisst, der Mensch wächst an seinen Aufgaben, und ich glaube daran. Allerdings: Würde ich Existenzk(r)ampf mit Arbeit meinen, würde ich nicht von Arbeit, sondern von Existenzkampf reden.
Zitat:
- werden blinde Flecken entfernt und eigenständiges Denken und Wahrnehmen gefordert

das greife ich mal raus zur problematisierung des begriffes "wahres selbst" o.ä., der hier oefter mal faellt. ich finde ja erstens nicht, dass es sowas gibt, zweitens nicht, dass es sowas geben sollte. oder andersrum: das ablegen von blinden flecken, illusionen und masken, bedeutet fuer mich auch die ablegung des "ego" als solchem. natuerlich kann man dann vom uebrig-bleibendem noch von "wahrem selbst" reden, wie z.b. auch buddhisten von der "buddhanatur" in allen reden, doch das waere dann eben etwas voellig anderes, etwas weniger begrenztes.
Ich denke, das ist reine Geschmackssache, und wir reden in diesem Fall tatsächlich über das selbe.

N.
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Re: Reduktion - oder wie aus Ragout eine Brühe wird PartII

Beitrag von sandu mehta » Mi 30. Jul 2008, 12:42

.. dann wird meine kritik hauptsaechlich begriffskritik (gewesen) sein. ich versteh einige sachen wohl etwas anders als du es gemeint hast; bleibt weiteres feedback abzuwarten, wer von uns nun die schraegere und unverstaendlichere ausdrucksweise hatte.


du hast aber wohl recht, dass ich ein verschrobenes bild von arbeit habe. andererseits sieht die etymologie des begriffs auch nicht so rosig aus (aber das ist natuerlich kein zeitgenoessisches argument.) was ich zur arbeit im sinne von anstrengung sagte war, dass ich sie nicht als ideal ansehe. wenn es darum geht, zu arbeiten, um ein ideal erstmal zu entfalten, ist es wieder was anderes. hier bin ich schon bereit, mich anzustrengen. allerdings sollte es eben nicht im von dir bezeichneten existenzkrampf enden. ausserdem find ich die vorstellung ziemlich christlich-orthodox, sein leben lang fuer etwas zu arbeiten, was man am ende doch nicht bekommt.
ich will hier nicht pessimist sein. aber momentan sieht mein leben so aus, dass ich noch nicht sonderlich viel auf die reihe bekommen habe, obwohl ich schon seit einiger zeit gerne etwas aendern wuerde. und ich sehe in naher zukunft auch keinen materiellen ausweg daraus (spirituell schon eher.) ich weiss nicht wie fair ich das hier beurteilen kann, aber mir scheint auch dass das plateau bisher ausserhalb des netzes noch keine so großen errungenschaften nachweisen kann.
anders gesagt: ich bin mal wieder am verzweifeln.


was du ueber das spielen schriebst: mir war nicht klar, dass du den sportlichen wettkampf spielerisch meintest. wie gesagt, dachte ich, dass es sich hier um ein wirtschaftliches konzept handelte.


was die tiere und pflanzen angeht: du hast recht, es geht hier um die groben gemeinsamkeiten, die alle teilen. die frage ist vielleicht: sind die groben gemeinsamkeiten auch deckungsgleich mit dem, was jede einzelne fuer besonders wichtig erachtet? denn es gibt ja auch unterschiede. und andersrum koennte man fragen: sind die unterschiede unwesentlich, reine geschmackssache?
bezueglich tiere und pflanzen muss ich sagen, bin ich da auf einem grenzgebiet. ich finde diese sachen schon recht wichtig; so wichtig, dass ich sie nicht als bloß individuellen geschmack ansehen will, dem sonst niemand zustimmen muss. ich mag glaube schon, dass ich es sehr moegen wuerde, wenn andere diese einstellung gegenueber natur und tiere verstehen und auch uebernehmen; vor allem, wenn ich naeher mit ihnen zusammen lebe. ich finde es einerseits "politisch" wichtig, andererseits auch in dem sinn, dass ich mit anderen nur dann "realitaeten teilen" kann, wenn sie mich hierin nachvollziehen koennen.
ich will ja nun keine gemeinsamkeiten erzwingen. aber man koennte ja schon mal versuchen, diese sichtweise nachzuempfinden, sich da hinein zu versetzen. und eigentlich denke ich, koennte das doch auch horizont erweiternd sein.
oder anders gesagt: wenn ich hier nur wenige leute finde, die mich darin verstehen, bleibt als gemeinsamer nenner im gemeinsamen leben dann vielleicht nicht mehr die groeßtmoegliche naehe; aber ich koennte ja auch eine eigene untergruppe bilden mit meinesgleichen.. wenn sich da welche finden ^^
(im prinzip klingt das hier alles sogar extremer als ich es empfinde. aber andererseits ist es vielleicht exemplarisch fuer die grundproblematik des "gemeinsamen nenners", die auch anderswo noch zum ausdruck kommen kann.)


zum "wahren selbst" brauch ich ja wohl nichts weiter zu sagen, als: okay.



grueße
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Beitrag von nemesus » Mi 30. Dez 2009, 22:20

Die Erkenntnis, dass Menschen zum Lernen vor allem eine günstige Lernumgebung brauchen, ist mir mehr als offensichtlich. - Anderen jedoch nicht, weshalb die Umsetzung eher schleppend vorangeht. Dennoch gibt es nun erste Tests. Quelle:

http://www.unifr.ch/ztd/HTS/inftest/WEB ... da2/hb.htm

Ich zitiere:
Der LFSK 8-13 ist die analog dem LFSK 4-8 aufgebaute Fassung für Schüler der Klassenstufen 8-13.
Er dient der Erfassung des Klimas von Schulen und Schulklassen aus der Sicht der Schüler. Das Verfahren setzt sich aus zwei Teilen zusammen, die sich auf unterschiedlichen Ebenen der Organisation Schule (Schule als Ganzes und die einzelne Schulklasse) beziehen. Der erste Teil (27 Items) erfaßt vier Dimensionen, die für die Qualität von Schulen wichtig erscheinen: Wärme, Strenge, Vielfalt sowie die Betonung von Leistung. Der zweite Teil (80 Items) erfaßt 14 Aspekte des Klimas in einer einzelnen Schulklasse: Pädagogisches Engagement, Restriktivität, Mitsprache, Gerechtigkeit, Komparation, Gemeinschaft, Rivalität, Lernbereitschaft, Störneigung, Leistungsdruck, Unterrichtsdruck, Vermittlungsqualität, Schülerbeteiligung im Unterricht sowie Kontrolle der Schülerarbeit. Die Klima-Elemente auf Klassenebene lassen sich zu folgenden vier Dimensionen zusammenfassen: Sozial- und Leistungsdruck, Schülerzentriertheit, Kohäsion und Disziplin.
Hier nun eine kleine Übersicht, die näher beschreiben soll, was welche Kategorien meinen:
Wärme:
erfaßt das Ausmaß, in dem eine Schule von den Schülerinnen und Schülern als unterstützend, fürsorglich und persönlich erlebt wird; insbesondere spielt hier das Verhalten der Lehrkräfte allgemein eine Rolle.

Strenge:
erfaßt das Ausmaß, in dem das Verhalten der Schüler durch Vorschriften klar geregelt ist, sowie das Ausmaß, in dem die Einhaltung von Regeln überprüft wird bzw. Verstöße sanktioniert werden.

Anregung und Vielfalt:
erfaßt das Ausmaß, in dem an einer Schule ein über den bloßen Unterricht hinausgehendes kulturelles Leben herrscht, das auch Außenstehende, vor allem die Eltern, miteinbezieht.

Betonung von Leistung:
erfaßt das Ausmaß, in dem eine Schule den Schülern vermittelt, daß sie Leistung (in jeder Form) hoch schätzt, von den Schülern erwartet und sie ihnen auch zutraut.

Pädagogisches Engagement:
Ausmaß und Häufigkeit persönlich-förderlichen, zuwendenden, sorgenden, bemühten und nicht-lenkenden Lehrerverhaltens.

Restriktivität:
Ausmaß stark lenkenden, kontrollierenden, herabsetzenden und autoritären Verhaltens von Lehrern.

Mitsprache:
Ausmaß, in dem sich Schüler an Entscheidungen beteiligen können.

Gerechtigkeit:
Ausmaß, in dem sich Schüler in Hinblick auf die Leistungsbeurteilung sachlich und im Vergleich zu ihren Mitschülern gerecht und fair behandelt fühlen.

Komparation:
Ausmaß, in dem Schüler einer Klasse untereinander verglichen werden, insbesondere bei der Feststellung und Bewertung von Leistungen.

Gemeinschaft:
Ausmaß des Zusammenhalts und der wechselseitigen Sympathie unter den Schülern einer Klasse.

Rivalität:
Ausmaß, in dem in einer Klasse individueller Erfolg und individuelles Leistungsstreben zu Lasten der Mitschüler dominiert.

Lernbereitschaft:
Ausmaß, in dem sich die Schüler einer Klasse selbst bzw. insgesamt als lernwillig und lerninteressiert beschreiben.

Störneigung:
Ausmaß, in dem die Schüler einer Klasse nach ihren eigenen Angaben Disziplin halten bzw. (absichtlich) Störungen organisieren.

Leistungsdruck:
Ausmaß der Belastung und persönliche Überforderung der Schüler durch schulische Anforderungen.

Unterrichtsdruck:
Hohes Tempo und fehlende Erklärungsqualität im Unterricht.

Vermittlungsqualität:
Ausmaß, in dem sich die Lehrkräfte bemühen, den Unterricht interessant, anschaulich und einprägsam zu gestalten.

Schülerbeteiligung im Unterricht:
Ausmaß, in dem die Schüler aktiv und eigenständig im Unterricht mitarbeiten können.

Kontrolle der Schülerarbeit:
Ausmaß, in dem die Lehrer darauf achten, daß die Schüler im Unterricht mitarbeiten und geforderte Leistungen (z.B. Hausübungen) tatsächlich erbringen.
Ich halte dieses System im Ansatz für brauchbar und denke, dass es auch, mit geringfügigen Modifikationen, helfen könnte, Internetprojekte auf ihren "Lernumgebungsfaktor" zu durchleuchten.

Und Ihr?

N.
"Manchmal bin ich so geistreich, dass ich nicht ein einziges Wort von dem verstehe, was ich sage." - Oscar Wilde

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