Roadtrip

Treffen sich ein Bahnangestellter, ein Student, eine Krankenschwester, ein Künstler, eine Stewardess und ein angehender Youtuber in Lübeck… – So könnte nicht nur ein Witz beginnen, tatsächlich scheint es mir auch ein guter Einstieg zu sein, um über die letzten Tage und darüber hinaus zu berichten.  – Doch der Reihe nach: Ich fuhr mit Anita, die sich von nun an im Forum Boudicca nennt, am Freitag Nachmittag Richtung Hamburg. Ebenfalls an Board, ein Teil meines Technik-Parks. Wir checkten gegen Abend im Marriott ein, verstauten unser Gepäck und sahen uns zunächst das Hotel an. Besonders angetan war ich von der Piano-Bar, die ihrem Namen alle Ehre machte, und in der wir, nach einem kurzen Spaziergang über den Jungfernsteig (1. Bild), einkehrten. – Der Bar-Außenbereich mochte kalt sein, aber wenigstens konnten wir rauchen.  (Immer diese militanten Nichtraucher, Dank denen es kein einziges Raucherzimmer mehr in Hotels gibt). Das Publikum im Hotel war international, ich glaube russisch in der Empfangshalle vernommen zu haben, andere Gäste sprachen Englisch oder eben Deutsch. Zu uns gesellte sich an diesem Abend in der Bar noch ein Däne, der uns mehr über sein Heimatland erzählte. – Es ist ein großer Unterschied, ob man mit einem Menschen aus einem anderen Land redet oder nur die Nachrichten zum Land im Kopf hat, das habe ich einmal mehr bemerkt. Zurück auf dem Zimmer packte ich noch meinen Technik-Kram aus und wählte mich ins hoteleigene W-Lan.

Der nächste Morgen. Hamburg gehört für mich, neben Berlin, zu den einzigen Städten Deutschlands, die den Charme einer Weltstadt haben. Im Gegensatz zu Berlin, erscheint mir Hamburg jedoch etwas hektischer, ins Besondere dann, wenn man mit dem Auto unterwegs und es nicht gerade Sonntag ist. Bei Parkgebühren von 6 Euro für 120 Minuten Parkdauer oder, alternativ 30 Euro pro Tag in der Tiefgarage des Hotels, zogen wir es vor, ein kleines Frühstück beim Drive-In im Mc Donalds unseres Vertrauens  gegen 09:30 Uhr zu nehmen. – Früher, als ich noch öfter in Hamburg war, schienen mir die Preise nicht ganz so unverschämt. Hier kann mich meine Erinnerung jedoch täuschen, denn ich muss zugeben, dass ich mir als Motorradfahrer nicht wirklich Gedanken um Parkgebühren machte, und wenn ich mit dem Auto unterwegs war, war ich meist nicht so weit im Zentrum unterwegs.
Wir fuhren noch eine Weile in Hamburg umher, legten einen weiteren Zwischenstopp im Hotel ein und fuhren schließlich Richtung Café zum offiziellem und einzigartigem Frühstück. Schu war der erste, den wir sahen, danach folgten dann Cera und Sophie, die sich vorbildlicher Weise Montag im Forum angemeldet haben muss.

Ich könnte Euch jetzt viel über das selbst gebackene Brot erzählen, über die Vorzüge des veganen Frühstücks, dass ich wählte oder die Kellnerin, die noch einen Tag zuvor in Berlin war. – Und eigentlich hätte es das Café „Herz und Zucker“ verdient, dass ich darüber ausführlicher schreibe, doch viel wichtiger erscheinen mir die Gefühle, während des Treffens, wobei Letzteres  nicht nur aus einem Frühstück in einem Café bestand. Ich fühlte mich rundum wohl und ich bin so anmaßend, zu behaupten, dass es den anderen Teilnehmern auch so erging. Es herrschte eine freundliche, wohlwollende Stimmung, basierend auf aufrichtigem Interesse, mit einem großen Schluck Optimismus. Und diese Stimmung blieb uns auch nach dem Café-Besuch erhalten, als wir in Cera´s Zimmer waren oder später im „Einstein“ unterkamen, einer sehr gemütlichen Mischung aus Bar und Restaurant, in der Nähe der Speicherstadt. Und dass wir uns dann noch spontan für ein nächstes Treffen in Lübeck am Sonntag entschieden und wir uns stillschweigend darauf verlassen konnten, als wäre es das Selbstverständlichste der Welt, dass jeder von uns auch tatsächlich erscheinen würde, rundete für mich den Abend besonders ab.

Der nächste Tag. Nachdem wir gegen 12:00 im Hotel ausgecheckt und meinen Technik-Park im Auto verstaut hatten, erreichten Anita und ich gegen 14:15 das Wahrzeichen Lübecks. – Neben den üblichen Verdächtigen, also Sophie, Cera und Schu, hatte sich auch Flinn dazu gesellt, den Cera eingeladen hatte; Ein netter Kerl, von dem ich hoffe, dass er dem virtuellen Teil des Plateaus eine Chance geben und mir verzeihen wird, dass wir nicht wirklich viel von Lübeck sahen. – Eigentlich gingen wir schnurstracks ins Reastaurant L´Osteria, dessen Pizza-Größe in Relation zu den Tellern völlig übertrieben wirkte und das sich unmittelbar am „Tor“ befindet. Ein Paar Pizza, Espressi, Salate und Rhabarber-Schorlen später verabschiedeten wir uns dann wieder, auch wenn das Treffen von mir aus noch viel weiter hätte gehen können, was ich als gutes Zeichen werte. Zum Teil ging es noch weiter, denn kurzer Hand luden wir Schu ins Auto und fuhren Richtung Strand nach Travemünde. – Hier konnten wir endlich  mehr Meer sehen als in Hamburg oder Kiel, wenngleich es auch bereits dunkel war, als wir den Strand erreichten.

Das Ende des Ausflugs. Nachdem wir Schu wieder in Lübeck abgesetzt hatten, brachen wir nach Berlin auf. Der Temperaturunterschied zwischen Küste und Hauptstadt betrug 2 Grad, -5 in Travermünde, -3 in Berlin, welches wir gegen 22:30 Uhr erreicht hatten. Nach dem obligatorischen Volltanken und 100 Euro später besuchten Anita und ich noch das Blockhaus, vielleicht in Anlehnung an das Blockhaus in Lübeck, dass dort unmittelbar neben dem Pizza-Restaurant stand oder wegen des veganen Frühstücks des Vortags. – Oder einfach, weil wir nach der Fahrt wirklich hungrig waren. Jedenfalls kamen wir gegen 23:30 wieder in Wannsee an, auch, wenn ich noch bis 04:00 morgens brauchte, meine Technik wieder an Ort und Platz zu stellen, sie anzuschließen und nach Updates zu checken, wie man es von mir wohl gewöhnt ist.

Apropos Technik: Gestern habe ich die letzten Komponenten für mein Technik-Line-Up ergattern können, eine Aufgabe, die mich mehrere Stunden kostete, weshalb ich gestern leider nicht mehr über das denkwürdige Wochenende schreiben konnte.

Was also bleibt? Es war eine Freude, mich mit Euch allen zu treffen und hoffe, dass wir das in naher Zukunft wiederholen können. In der nächsten Woche findet bei mir in Berlin ein Frühstück statt, und es scheint als wäre, neben Anita, noch Morphi mit dabei. (Notiz: Unbedingt noch einmal Cthulhu fragen ob er nicht auch kommen möchte! ) Einen Tag später werde ich mich dann mit Talustus an seinem Heimatort treffen, um ein paar Rechen-Monster- Impressionen aufzuschnappen, und dazwischen, bzw. danach wird es noch andere Treffen in Kürze geben, auf die ich mich freue, eines davon mit Freund Thomas, alias MXNR2B und meiner Freundin Silke, von der ich hoffe, dass ich sie noch in diesem Jahr für das Plateau gewinnen kann. (Da habe ich mir einiges vorgenommen.) Ich schließe mit der Erkenntnis, dass ich als angehender YouTuber dieses Mal noch kein Video vom Trip machen konnte. Der Aufwand ist groß und die Routine wird erst mit der Zeit kommen. Aber genau diese Erfahrungen sind es, mit deren Hilfe ich in Zukunft gute Videos erstellen können werde.

„Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“…

… ist eine Zeile aus Hermnn Hesses Gedicht „Stufen“. – Und ich fürchte, mir steht ein solcher Anfang gerade bevor. Mein Internetprojekt, das Plateau, ist heute Nacht 18 Jahre alt geworden, und wenn ich darüber nachdenke, stelle ich mit grosser Zufriedenheit fest, dass ich den virtuellen Zweig für technisch ausgereift und, noch wichtiger, für psychologisch austariert halte.

Als problematisch erscheinen mir der Mangel an physischen Raum und die Tatsache, dass gegenwärtige User nur einen Bruchteil dessen nutzen, was das Plateau ihnen bieten könnte. –
Glück oder Unglück, ich bin nicht nur mit diesen Aspekten des Plateau unzufrieden, sondern mit meinem Leben. Genau das gilt es zu ändern. Ich habe mir einige „Sets“ zusammengebaut, die mir helfen sollen, meine Vorhaben in die Tat umzusetzen. – Einige davon waren sogar schon in meinem Bestand. Ich beginne mit dem denkbar einfachsten:

Meine DJI-Drohne werde ich selbstverständlich für Luftaufnahmen nutzen, die GoPro wird weiterhin mein Begleiter unter Wasser bleiben. Ich habe sogar einige Farbfilter für Einsätze im Meer und in Seen. Zum V-Bloggen habe ich mein neues iPhone X gewählt, dazu den DJI-Gimbal Osmo Mobile und, so albern es klingen mag, die AirPods, also kabellose Kopfhörer, um meine Stimme aufzunehmen. Das eingespannte iPhone lässt nämlich keinen Raum mehr für Mikrofonkabel-Kabel. Praktisch ist jedoch, dass ich den Gimbal auch mit meiner GoPro über einen Adapter nutzen kann.

Mein nächstes „Set“ besteht aus meinem iPad Pro, 13 Zoll. In Kombintion mit Stift und Tastatur eignet es sich hervorrgend zum Bloggen und Schreiben meines Buches. Das vorletzte „Set“ besteht aus meinem MacBook Pro, mit ein wenig Zubehör. Es soll mir helfen, meine Filmprojekte auf Reisen zu schneiden und mit anderen zu coden. Eine Internetverbindung kann ich mit meinem IPhone aufbauen und im Extremfall mein iPad Pro als zweiten Monitor nutzen.

Die letzen „Sets“ dienen zum einem dem Mining, und dem Streamen von Konsolen. Ich fürchte nämlich, mein neuer Lebensstil wird nicht sonderlich preiswert ausfallen. Apropos nicht preiswert, im nächsten Jahr steht mir ein großes 4K Update in Sachen Gaming bevor, und ich möchte in den 3D-Druck samt Scannen einsteigen.

Und falls noch die Frage offen sein sollte, was ich mit alldem vorhabe: Ich suche neue Menschen, neue Herausforderungen und manchmal vielleicht sogar neue Plateau-User. Vor allem aber suche ich nach mir und dem Leben, dass ich immer führen wollte.

Dinge die mit Zahlen bedruckt sind

Im letzen Beitrag habe ich quasi-autistische Detailinteressen angeschnitten, auf die ich nun genauer eingehe will. Seit ich denken kann haben mich immer wieder Dinge fasziniert, die für andere nebensächlich und nicht beachtenswert sind. So hielt sich meine Begeisterung für Autos und Autofahren in Grenzen, aber Lenkräder, Radkappen und Federungen hatten es mir angetan und wenn man bei einem Spielzeugauto nicht die Motorhaube öffnen konnte, um die wunderschöne technische Ornamentik zu bewundern, fehlte etwas. Desweiteren hatte ich ein Faible für Bohrer, Gewichte, Reagenzgläser, Zahnräder und Dinge die mit Zahlen bedruckt sind. Deshalb habe ich die bunten Plastikschildchen gesammelt, die an gefällte Bäume angebracht sind oder die Konfektionsgrößen-Kennzeichnungsringe für Kleiderbügel.

Glocken habe ich auch gesammelt, denn in meiner Stadt gibt es alte Kirchen mit heruntergefallenen Glocken. Der eingedrücktem aufgebrochene Boden, die Bruchkanten des zerschellten Metalls, die wie Kontinente zusammenpassen, das ist so ästhetisch. Ähnlich wie Glocken sind auch Baggerschaufeln große metallene Hohlkörper, deren Form auf mich äußerst ansprechen wirkte. Das halbkreisförmige Profil, dass unten in einer Geraden ausläuft, für andere nur eine zweckmäßige Form, für mich war das begehrenswert, ebenso wie verbeulte Münzen mit Patina. Das machte für mich das Flair von Altem und Geheimnisvollem aus, womit ich auch das Intro von Schliemanns Erben assoziiere

Mein leichtes Messietum zahlt sich aus, denn viele Dinge die jahrelang nur Staub fingen, konnte irgendwann in Kunstprojekten verwenden. Leider sind auch einige Sammlungen aus Platzmangel aufgelöst worden wie die Trinkjoghurtflaschenarmee.

Ich mag Gesichter und Masken, so kommt es vor, dass ich ganze Blätter mit Monsterköpfen fülle. Es gab mal im Kaugummiautomaten Monsterköpfe, die man auf den Bleistift stecken konnte. Sie hatten Kragen, die die Gesichter auf spezielle Art einrahmten, was eine spezielle Monster-Ära begründete.
Ich könnte eine lange Erörterung nur über das Design der Mundpartien von Super-Sentai-Helmen schreiben und dabei den Bogen spannen über die allgemeinen Besonderheiten moderner japanischer Mecha-Gesichtsgestaltung. Das schöne ist, dass es bei großen fiktiven Welten wie Star Trek oder Star Wars viele Nerds gibt, die alles bis ins Kleinste analysieren. So lässt sich doch manche Information über klingonische Stirnfalten finden oder welche Modellbausätze für das Raumschiffgreebling ausgeschlachtet wurden.

Während ich Bürokratie verabscheue, genoss ich die von Zwang befreite visuelle Wirkung von Formularen. Diese Überweisungsscheine mit ihren pastellfarbenen, verschachtelte Rechtecken, den Schriftblöcken aus Kleingedrucktem und den kreuz und quer gestreuten Zahlenreihen und Strichcodes ergeben ein abstraktes Gemälde. Ich habe einen Aktenordner angelegt mit dem Zweck, der als zweckmäßig beabsichtigten aber unverständlichen Typografie solcher Zettel zu huldigen.
Auch bei Charakterkonstellationen und Actionszenen kann ich Freude allein aus dem Formalen ziehen. So erwärmt es mein Herz, die Zusammenstellung von Kostümgruppen auf mich wirken zu lassen, die Dichte von Kampfgetümmel zu kategorisieren.

Eine weitere für andere schwer nachvollziehbare Leidenschaft ist die für Störungsartefakte. Schon früh versuchte ich die Kratzer und das Flimmern alter Filme in Daumenkinos zu simulieren. VHS-Streifen und leiernde Tonspuren sind genauso schön wie das sogenannte Datamoshing, welches ich erstmals 2003 im BIZ entdeckte. Dort gab es stinklangweilige Infovideos, aber wenn man wiederholt auf die gleiche Stelle der Zeitleiste klickte, verzerrten sich die Gesichter zu verpixelten Fratzen.

Epochale Analyse

Ich teile mein Leben in Phasen ein, die sich an der subjektiv gefühlten Qualität meines künstlerischen Schaffens orientieren. Ein Zusammenhang mit äußeren Lebensumständen ist nicht abzustreiten, doch damit identifiziere ich mich weitaus weniger.

Die ersten 6 Jahre nenne ich Vorzeit oder Frühgeschichte. Das war bevor ich mich von der „Realität“ abgrenzte. Ich zeichnete alles, was mir gefiel ohne es irgendwie einzuordnen. Zu dieser Zeit war ich noch ohne Bewusstsein für gesellschaftliche Erwartungen und von Seiten meiner Familie kam erstaunlich wenig Verwunderung über meine Themenwahl, die neben üblichen Alltagsdingen auch quasi-autistische Detailinteressen, Protosexualität und geschlechtsuntypische Themen, Gewalt und Zerstörung sowie gleichzeitige Faszination und Ablehnung gegenüber einzelnen Aspekten von Religion enthielt.

Mitte der 90er bildeten sich die ersten Grundzüge meines Phantasieuniversums mit Völkern und Planeten, in das ich heute meine ganze Weltanschauung projiziere. Aber es hatte alles noch eine Unbeschwertheit, ohne das Gefühl sich ständig selbst übertreffen zu müssen oder Tiefsinn und Aussagen hineinlegen zu müssen, ohne Bitterkeit über das eigene Dasein. Ich begann Comics zu zeichnen, die eine unwiederbringliche kindliche Strahlkraft hatten. Diese Phase die ungefähr die Grundschulzeit abdeckte nenne ich daher das goldene Zeitalter.

Dann wechselte ich die Schule, es änderte sich die ganze Atmosphäre und wurde schwerer. Zunächst empfand ich meine bisherigen Werke als unzureichend, wollte alles nochmal und viel besser machen. Aufgrund zu hoher Ansprüche kam ich aber nicht zu dem, was ich eigentlich machen wollte. Ich verwarf viele Ideen und zeichnete Comics, die nicht zum ursprünglichen Kanon gehörten. Danach kam es noch schlimmer. Ich betrachtete die alten Comics zwar wieder als kanonisch, aber wollte unbedingt an den Glanz der alten Tage anknüpfen. Dadurch war mein Stil eine Zeit lang rückwärtsgewandt und entwickelte sich nicht weiter. Außerdem wurden einige alte Comics nachbearbeitet und damit beschädigt. Ich hinterließ einen großen Haufen angefangener Fortsetzungen, mit denen ich unzufrieden war. Diese Jahre nenne ich „Zeit der großen Fehlschläge“.

2003 besserte sich die Situation, obwohl sich an der Schule nichts änderte. Jetzt fing ich wieder an, neue eigenständige Werke zu produzieren und meine Fähigkeiten weiterzuentwickeln. Alles hatte wieder mehr Schwung und Leichtigkeit. Ich entschied, alles Alte als kanonisch anzuerkennen und es nicht mehr nachträglich zu verpfuschen, sondern mittels Bezügen in die neuen Geschichten einzugliedern. Diese Phase hielt bis 2009, überstand 2 Schulwechsel und trägt den Namen „neue Blütezeit“.
Innerhalb dieser Phase gab es einen Abschnitt, der ganz besonders fruchtbar war. Von 2006 bis 2009 hatte ich in der Schule die intensivste Aufnahme von neuem Wissen und persönlichen Erfahrungen. Es gab einen großen Schub für die Entwicklung meines Weltbilds und die Produktivität erreichten einen Höhepunkt. Ich zeichnete viele Comics mit historisch sehr bedeutsamen Ereignissen für mein Universum, außerdem begann ich Filme zu machen und generell die digitale Kunst für mich zu entdecken.

Es ging mehr oder weniger fließend in eine kurze Phase namens „Zeit des Wahns“ über. Da habe ich mal kurz Bio studiert und meine Werke hatten eine psychedelische Qualität mit einer Dichte und Verrücktheit, die mich selbst überrascht.

Den Rest habe ich noch nicht in Phasen aufgeteilt oder benannt. Als ich auf der Designschule war produzierte ich weiter fleißig Filme und Comics. Während die Filme an die Öffentlichkeit gerichtete visuelle Experimente sind, zeichnet sich mein Gemütszustand eher in den nicht öffentlichen Comics ab. Dort sind die Geschichten seitdem von Verachtung für das Leben in dieser Welt geprägt. Zynisch überzeichnete Gewalt und Perversion wird der Sehnsucht nach Abenteuer und Romantik gegenübergestellt.
Doch jüngst vernehme ich einen beängstigenden Abschwung bei den Comics. Die Inhalte werden zerstückelter und gehen schwer von der Hand.

EDIT:
Detaillierte und tiefgehende Infos zu diesem Thema gibt es im Wikiportal Schuschiversum:
https://plateau-trivial.de/wiki/index.php?title=Schuschiversum

Verkackte Gelegenheiten

Ich wandere wachen Blickes durch die Stadt, auf der Suche nach passenden Augenblicken für Kontakte, und vermeide sie gleichzeitig. Meistens überfordert mich das alles, Penner betteln, Hunde kläffen, eine Reisegruppe schiebt sich einem in den Weg und man fühlt sich beobachtet von Passanten, die eigentlich nur Beiwerk sein sollten. Da biege ich lieber in eine ruhige Seitenstraße ab. Kommt es doch mal zu einem Kontakt, lässt mich die mangelnde Übung und die Aufregung es grundsätzlich verkacken. Und es passiert viel zu selten, als dass man an Übung gewinnen könnte.

Hier ein paar Beispiele:

  • Restaurantbesuch mit Familie. Wir wollten gerade gehen, da traf ich eine ehemalige Klassenkameradin, die ich immer als angenehme Person empfand. Der Zeitpunkt war ungünstig und so blieb es bei ein paar floskelhaften Sätzen. Später fiel mir ein, dass sie einst sagte, Animes zu mögen. Das wäre eine gute Gesprächsgrundlage gewesen, in deren Zuge sich auch Eigenwerbung angeboten hätte.
  • In einem anonymen Zufalls-Chat, bei dem die Wahrscheinlichkeit auf Hirnzellen zu treffen extrem gering ist, ist mir einmal ein anregendes Gespräch gelungen. Zwar habe ich meine Internetpräsenzen gepostet, mit denen ich über Umwege erreichbar wäre, aber wer weiß, ob die Person sie sich gemerkt hat, oder ob ich wie immer der Einzige bin, bei  dem besondere Augenblicken so lange nachwirken. Man wird es nie erfahren. Man hat Sorge, zu aufdringlich zu sein, sich irgendwelche Hoffnungen zu machen und enttäuscht zu werden, oder als romantischer Spinner verlacht zu werden. So lässt man Chancen verstreichen und gibt sich weiterhin cool und distanziert. Die Menschen leben aneinander vorbei.
  • Beim Gang durch die Fußgängerzone, ich hatte gerade zur Abhärtung den Sermon einer mäßig attraktiven Spendenschnorrerin über mich ergehen lassen, da lief ich gleich in die nächste Falle zweier Spendenschnorrerinnen, die diesmal aber sehr attraktiv und wohl auch rallig waren. Sie hatten auch nicht so aufgesetzte Mitleidsvisagen. Ihre Energie war mitreißend und da ich kurz zuvor eine Übung hatte, war ich überrascht, wie gut ich reagieren konnte. Hat aber im Endeffekt auch nicht über meine Unfähigkeit und die Angst, sich zu öffnen und auf irgendwas spontan einzugehen hinweggeholfen.
  • Eine unbekannte Metalband hat auf der Straße ihr Album vertickt. Ich finde das ja prinzipiell gut, wenn Leute kreativ sind, aber ich habe das nicht gekauft, weil ich völlig überrumpelt war und es nicht meine Art ist, spontan die Katze im Sack zu kaufen. Ich hätte ihnen meine grafischen Dienste anbieten können, Metaller finden tendenziell Gefallen an meiner Kunst, aber auf sowas kommt man ja in solch einer Stresssituation nicht. Natürlich habe ich auch vergessen, mir deren Namen zu merken, um das im Internet nachzugucken.
  • Gestern beim Spazieren quatscht mich so ein Typ von der Seite an und fragt mich erstaunlicherweise nicht nach Geld oder dem Weg, sondern nach meiner Weltanschauung. Noch erstaunlicher war, dass er mich offenbar gar nicht zu irgendwas bekehren wollte, sondern wirklich an meiner Meinung interessiert zu sein schien, obwohl er sich selbst als Christ bezeichnete. Also hab ich mit ihm geredet, das war so anstrengend. Nicht, dass er sonderlich rhetorisch gewandt war, im Gegenteil. Er wirkte unsicher und noch nicht vollständig verkalkt. Es wäre einen Versuch wert gewesen, ihn zu verwirren und zu erstaunen, wäre man mündlich doch nur überzeugender und schlagfertiger. Er wollte danach um die Ecke zu seinen Freunden. Irgendwie bezweifle ich, dass diese Freunde physisch waren. Selbstredend habe ich wieder vergessen, ihn auf weitere Kontaktmöglichkeiten hinzuweisen.

YouNow-Trailer – Tutorial

Da ich morgen zum ersten Mal mit meiner „Sendung“ auf YouNow on Air gehe, habe ich weite Teile des Wochenendes damit zugebracht, einen Trailer zu basteln. Damit hatte ich gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Erstens konnte ich so noch einmal alle Programme und meine Hardware checken. – Bei der Beta hatte ich ein entsetzliches Rauschen im Hintergrund. Zweitens habe ich mir in den Kopf gesetzt, ein wenig mehr zu tun, als mein Gesicht in die Cam zu halten.

Ich benutzte Flash für den visuellen Content meiner Sendung, da ich dieses nette Programm vor einer Ewigkeit einmal in der Studentenversion gekauft habe. Aber Videos von Euren Outdoor-Aktivitäten tun es auch. Darüber hinaus war es mir wichtig, Sound auf einen neuen Level zu bringen. Wenn Euer Computer Sounds auf die Boxen überträgt, die Ihr dann wieder mit Euren Mobilgeräten über Mikro einspielt, mindert das beträchtlich die Qualität.

Mit der kostenfreien Broadcast-Software, die YouNow vorschlägt, habt Ihr die Möglichkeit, professionell zu streamen, was auf dem Monitor passiert. Das leider kostenpflichtige Programm Virtual-Audio-Cable löst das beschriebene Sound-Problem. Der Preis beträgt ca. 50 Euro. Ein stolzer Preis, aber leider habe ich keine kostenlose Alternative gefunden. Virtual-Audio-Cable besteht aus mehreren Programmen und Ihr solltet die Trial Version auf Eurem PC testen, um sicherzustellen, dass der Teil, den Ihr braucht, bei Euch funktioniert. Diese Version eignet sich leider tatsächlich nur zum Testen.

Als nächstes braucht Ihr ein gutes Programm zum Wiedergeben von Videos und Sounds auf Eurem Bildschirm. Ich empfehle den VLC-Media-Player, da er sehr vielfältig ist. Ihr könnt das Ding in mehreren Instanzen aufrufen und diese gleichzeitig abspielen. So könntet Ihr Eurer Video und die Aufnahme Eurer Cam nebeneinander legen. Die Videos ohne Rand anzuzeigen, gibt es PlugIns, ebenfalls kostenfrei. – Seht Euch einfach an, was Ihr benötigt.

Die Benutzung von VirtualAudioCable ist recht intuitiv. Im vcctlpan wählt Ihr, wie viel „Lines“ Ihr braucht. Ich brauche nur zwei. Danach ruft Ihr mehrere Instanzen des beigelegten Audio-Repeaters auf. (Hier müsstet Ihr nachsehen, was bei Euch läuft. Es gibt die CS-Version und die MMS-Version, alles in einem Paket. Bei mir läuft beispielsweise nur die MMS-Version rund.

Ich wollte eine Musik mit meiner Stimme mixen und statt meiner Boxen mein Headset verwenden.  Bei VLC legte ich zuerst die Wiedergabe auf Line 1. In der ersten Instanz von Audiorepeaters schickte ich dann Line1 (Eingang) zu Line 2 (Ausgang) In einer weiteren Instanz wählte ich als Eingang das Mikro meines Headsets und als Ausgang ebenfalls Line 2. Beim Broadcasting Programm stellte ich nun den Mikro Sound auf Line 2 und den Ausgangssound auf meine Boxen. – Ich hätte auch die Kopfhörer meines Headsets nehmen können. Als letztes öffnete ich noch eine Instanz des Audio-Repeaters. Line 2 leitete ich auf meine Headsetboxen um. Wie Ihr Euch denken könnt, erreiche ich damit, dass es in dem Raum, in dem ich spreche, leise ist. Dennoch bekomme ich die Musik und meine Stimme über meine Headset-Kopfhörer mit. Kleiner Tipp: Wenn Euch Eure Stimme aufgrund der Verzögerung beim Streamen stört, schaltet sie einfach ab.

Nach diesen Vorbereitungen wird es Zeit für einige Tests. Ladet Euch dazu am besten einige Stücke aus Googles Audio-Bibliothek herunter, um juristische Schwierigkeiten zu vermeiden. Richtet Eurer Braodcasting-Programm auf die Fläche des Monitors aus, die Ihr streamen möchtet. Testet Eure Video-Settings, indem Ihr die Vorschau startet. Wenn Ihr das erledigt habt, startet alle Instanzen des Audio-Repeaters. Testet den Sound, indem Ihr die Instanzen des VLC Players Sounds abspielt. Wenn Ihr mit ihnen einverstanden seid, startet Euren Broadcast, wie auf YouNow beschrieben. Tipp: Ihr könnt nun komfortabel und professionell Streamen. Leider wird bei YouNow, wenn Ihr die Broadcast-Software anwendet, das Vorschau-Bild gecancelt. – Ebenso war es mir nicht möglich, mein Video danach herunter zu laden. – Wenn Ihr die beiden Probleme umgehen konntet, schreibt mir bitte einen Tipp in die Kommentare. (In diesem Blog könnt Ihr auch kommentieren, ohne Euch anzumelden.)

Weitere Wochenend-Erkenntnisse: Zwar habe ich die meiste Zeit der letzten Tage mit diesen „Spielereien“ verbracht aber das war es mir wert. Es wäre vielleicht eine gute Idee, beim „Streamen  mit Zusätzen“ den Taskmanager, bzw. dessen CPU-Auslastung, im Auge zu behalten. – Mein PC ist nicht langsam und dennoch war die Auslastung im oberen Bereich. Abschließend: Wenn es auch bei Euch nicht möglich ist, Eure Videos von YouNow als File zu ziehen, solltet Ihr Euer Broadcasting-Programm das Häkchen zum gleichzeitigen Aufzeichnen setzen. Dass Video solltet Ihr anschließend auf die normale Größe konvertieren. Dies geht sehr schön mit dem „Any Video Converter„. Ich habe den Kauf der „Ultimate“ Version nicht bereut. Es ist das beste Programm, dass ich je benutzte, um Filme in HTML5 kompatible Files zu wandeln. Ich verwendete 3 Monitore und muss berichten, dass mir einige mehr vor lauter Fenstern gut getan hätten.

 

 

Dinger machen, so nebenbei

https://schuschinus.tumblr.com/post/132408519538

Als die Idee vom Plateau als Raumschiff thematisiert wurde, fing mein Gehirn automatisch an, es zu visualisieren und für mich war es schnell beschlossene Sache, es auch umzusetzen. Es macht mir zuweilen Spaß, Ideen anderer aufzugreifen und ungefragt etwas damit zu gestalten. Es ist eine ungezwungene Abwechslung zu den eigenen Projekten, bei denen man sich mit der Zeit in übertriebenen Perfektionismus festzufahren neigt.
Kurz zuvor hatte ich angefangen, den Umgang mit dem 3D-Progamm Blender zu lernen. Ich habe versucht, das typische Star Trek Design mit dem Plateau Logo zu kombinieren. Dafür bin ich von einer sechseckigen Grundform der Untertassensektion mit integrierten Warpgondeln ausgegangen, das Dreieck ließ sich in Form eines Bügels oben draufsetzen, was der sonst kompakten Form wieder mehr Charakter gibt.
Da das Schiff symmetrisch ist, habe ich habe ich das Modell samt der Textur nur zur Hälfte erstellt und automatisch gespiegelt. Als es dazu kam, den Namen aufs Schiff zu schreiben, waren meine Blender-Kenntnisse noch nicht ausreichend, eine elegante Lösung für das Spiegelproblem zu finden. Nemesus hatte die Idee, ein Ambigramm zu benutzen, wovon ich sehr angetan war. Ich kannte die faszinierenden Ambigramme aus Illuminati und Nemi wollte bei deren Designer anfragen, ich konnte es aber nicht auf mir sitzen lassen, es nicht selbst zu probieren.
Ich hatte mich schon früher mit Drehbildern und optischen Illusionen beschäftigt, aber noch nie ein Ambigramm gemacht. Zunächst habe ich den normalen und gespiegelten Schriftzug gegenübergestellt und geguckt, wie sich die Formen kombinieren lassen. Am schwierigsten waren die Buchstaben FF, die zu AN werden mussten. Danach müssen die skizzierten Formen in ein einheitliches Schriftbild gepackt werden. Das heraussuchen passender Schriftarten und deren Modifikation ist aufwändiger, als die Buchstaben gleich selbst zu konstruieren. Das Ergebnis ist nicht so schick wie ein ausgefeilter Font mit ausgewogenen Abständen und Strichstärken.
Ich war überrascht, dass Nemi dieses Teil was ich auf die Schnelle hingezimmert habe, bevor er wieder Unsummen dafür ausgibt, so sehr als Ausdruck der Zusammenarbeit, wie sie vom Plateau beabsichtigt, ansah.