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Fragment 1 / >>Die Antwort<<

Die Antwort

Es war gegen Mitternacht, als ich das Café, in dem sich vorwiegend Studenten aufhielten, verließ.
Ich hatte mich mehrere Stunden aufgehalten, trank meinen Cappuccino und rauchte Zigarette um Zigarette. Das Café war voll. Manche sind gekommen, um zu sehen, andere, um gesehen zu werden. Die Musik war laut und das Licht ungemütlich kalt.
Ich genoss die Atmosphäre. Leere kann atemberaubend sein.
Ich fragte mich, was diese Leute in das Café trieb. Menschen gehen den Weg des kleinsten Widerstandes. Was war so attraktiv, dass sie gerade diese Möglichkeit der Freizeitgestaltung wählten?
Während ich zu meinem Auto ging, das einige Straßen entfernt parkte, ließ ich die vergangenen Stunden noch einmal vorüberziehen. Ich saß an einem Tisch, neben dem Eingang. Die Kellnerin nahm meine Bestellung entgegen, und servierte mir bald darauf, was ich wollte. Irgendwann kam eine Zeitungsverkäuferin herein, und ich kaufte eine Zeitung. Ich trank und rauchte. Eigentlich schade, dass ich die Leute um mich herum so wenig zur Kenntnis nahm, aber ich war sehr damit beschäftigt, mich zu beobachten. Es war nicht uninteressant. Nach einigen Stunden, die ich damit verbrachte, mir vorzustellen, welche grotesken Situationen man wohl in dieser Einrichtung inszenieren könnte, zahlte ich dann und ging. Mir war etwas schwindelig, denn eine Schachtel Zigaretten sind für einen Nichtraucher nicht wenig. Ich fragte mich noch, ob ich die Zeitung, die ich kaufte, mitnehmen oder liegen lassen sollte, denn ich lese keine Zeitungen.
Schließlich nahm ich sie und stolperte hinaus.
Ich habe eine Abneigung gegen Zeitungen; es stehen so entsetzlich viele belanglose Informationen darin.
Endlich kam ich zum Auto, stieg ein und fuhr los. Es dauerte nicht lange, ehe ich zu Hause war. Ich dimmte das Licht, goss mir ein Glas Wein ein, legte Musik auf und mich ins Bett. Und schließlich, vielleicht durch den Einfluss des Weines, gelangte ich zur Erkenntnis, dass mein Intellekt manchmal nicht erheblichen Komplikationen verbunden ist..
Irgendwie fand ich diese Aussage ästhetisch. Sie heuchelt nicht Wichtigkeit. Eine solche Information wird man vergebens in einer Zeitung suchen. Schade… Ich glaube, ich mag Zeitungen deshalb nicht, weil sie suggerieren, die enthaltenen Informationen seien wichtig. Tatsächlich aber lenken sie ab.
Ich schlief ein.

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Am nächsten Morgen musste ich mich mit dem Aufstehen beeilen. Ich war mit einer Freundin in der Bücherei verabredet – und ich wollte auf keinen Fall unpünktlich sein.
Sie gehört zu den wenigen außergewöhnlichen Menschen, die es auf dieser Welt gibt, und wenn dieser Umstand schon von annähernd niemandem bemerkt wird, dann ist es doch um so wichtiger, dass die, die es bemerken, sich auch entsprechend verhalten.
Wir trafen uns im Vorraum der Bücherei, gingen anschließend hinein. Das schöne an den Treffen mit außergewöhnlichen Menschen sind die außergewöhnlichen Treffen.
Man weiß nie so genau, was als nächstes passiert, und deshalb ist es spannend und viel atemberaubender als Leere.
Als wir in die Bücherei gingen, hatte ich das Gefühl, als seien alle Menschen um uns Statisten, sie wurden irgendwie zur Dekoration, so wie die Bücher in den Regalen oder die Wände der Bücherei.
All diese Dinge waren für den Moment nicht mehr wichtig. Es war dieses Gefühl, wie es eigentlich viel öfter auftauchen sollte, wenn Menschen miteinander interagieren.
Es vermittelt eine andere Sicht des Lebens. Es entlarvt scheinbar Wichtiges und deckt Verborgenes auf. Es macht Tiefe leicht und Leichtigkeit tief.
Nachdem wir unsere zwei Stunden andauernde Arbeit erledigt hatten, gingen wir wieder auseinander.

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Was sollte ich von diesem Aufeinandertreffen halten? Es war notwendig, jedenfalls schien es so. Aber hatten wir nicht in Wirklichkeit eher unsere Zeit verschwendet? Manchmal habe ich den Eindruck, dass das, was wir Arbeit nennen eine einzige Themaverfehlung ist.
Ja, ich glaube, unser Jahrhundert ist das Jahrhundert der Themaverfehlungen. Alles Notwendige ist da, doch entweder in falscher Form, am falschen Platz oder in falscher Form und am falschen Platz. Wir haben ein halbes Dutzend Talkshows, in der Menschen die Abgründe Ihrer Oberflächlichkeit einem Millionenpublikum präsentieren, während die meisten der Zuschauer und auch der „Akteure“ vermutlich nicht die Courage aufbrächten, ein weinendes Mädchen in der U-Bahn anzusprechen.
Es gibt „TV – Games“, in denen Spieler dazu angehalten werden, Warenpreise zu erraten.
Warum bedürfen so viele Treffen so unnötige Vorwände?
Vielleicht aus dem selben Grund, weshalb Suizidgefährdete als nicht zurechnungsfähig bezeichnet werden, während die „Gesunden“ danach streben, so richtig gut drauf zu sein und viel Spaß zu haben.
Offensichtlich ist es „OUT“, nachzudenken. Dies würde auch erklären, weshalb es keine ausgespielten Lieder mehr im Radio gibt. Die Pausen zwischen ihnen könnten das Auseinandersetzen mit dem Gehörten begünstigen.
In einer Dienstleistungsgesellschaft, die jeden Widerstand umgeht, wünschte ich mir Menschen, die sich neue Widerstände schaffen, um sie zu bewältigen.
Irgendwann sollte jeder zu einem Punkt kommen, an dem er entdeckt, dass der Versuch, sich abzuhängen fehlschlagen muss, einem Punkt, an dem es sinnvoller ist, stehen zu bleiben anstatt fortzulaufen.
Ich ging zu Bett.
Die nächsten Tage verliefen ziemlich mittelmäßig, wenn auch nicht umsonst. Ich erledigte Arbeiten, die nun einmal von mir erledigt werden mussten.
Ich schleppte mich sozusagen durch, immer auf der Suche nach Inspiration.
Ein seltsames Phänomen. Wenn sie Dir gegeben wird, fühlst Du Dich blendend, alles geht leicht von der Hand und die Gedanken fließen durch den Verstand, erfrischen den Geist wie kühles Wasser.
Wird sie Dir jedoch entzogen, ist alles Anstrengung, und das Leben grau und trist. Letztendlich ist Inspiration meine Droge. Ich bin ihr vollkommen verfallen, ein Umstand, der mich inständig beruhigt, denn sie scheint das Wundermittel zu sein, das Widerstände erstrebenswert macht. Sollte es eine Methode geben, andere mit dieser Sucht zu infizieren, so will ich in dieser Tätigkeit Meistergrade erreichen!
Das Telefon klingelte, riss mich aus den Gedanken.. Meine „kleine Freundin“ aus der Bücherei meldete sich zu Wort.
Ich wusste nicht genau, was ich sagen sollte, also hörte ich zu. Sie erzählte mir, sie sei in einen Konflikt geraten und bat mich um eine Lösung. Ich gab sie, wenn auch ein wenig betäubt.
Das Schicksal geht manchmal seltsame Wege. Genau in dem Moment, indem ich feststellte, wie lieb mir doch jemand wäre, der sich um innere Widerstände bemüht, wurde ich angerufen, damit ich einen Widerstand verkleinere.
Nachdem wir uns verabschiedeten, stellte ich zu meiner eigenen Überraschung fest, dass ich nicht niedergeschlagen und enttäuscht, sondern erfreut und entspannt war, ein Gefühl, dass ich in dieser Situation wirklich nicht erwartete. Ich wurde inspiriert.
Die Grundvoraussetzungen zum Konfliktlösen ist die Fähigkeit, ihn zu sehen, zusammen mit der Entschlossenheit, ihm irgendwie zu begegnen.
Meine „kleine Freundin“ sah den Konflikt und war bereit, ihn anzugehen, indem sie mich anrief. Es war ein kleines Problem, kaum der Rede wert, doch schon das minimale Auseinandersetzen bewirkte geistiges Wachstum für uns beide und schenkte mir Inspiration. Die vergangenen Tage führten mir erneut vor Augen, wie wichtig der geistige Austausch ist. Wir sollten nicht so sicher sein, dass die Fragen, die uns gestellt werden auch die sind, zu deren Beantwortung wir gebeten werden. Vielleicht sollten wir lieber die Fragen beantworten, die uns nicht gestellt werden, und aufhören, uns zu wundern, wenn die, die wir befragen, uns die Antworten geben, nach denen wir wirklich suchten…

Fragment 2 / Ein Birkenfalter namens Birk N. Falter (Part I+II)

Es war spät und ich fuhr von meinem Freund per Auto nach Hause. Ich hatte wenig geschlafen und viele Fragen, die der gemeinsam verbrachte Abend offen ließ. Plötzlich musste ich an Birkenfalter denken, diese seltsamen Kreaturen, die sich durch die Umweltverschmutzung von Menschen an Birkenstämme anpassen mussten, die statt weiß, grau geworden waren. Es kam zu einer interessanten Konfrontation:

Part I:

„Hallo, Birkenfalter.“

„Hallo, Mitmutant.“

„Was machst Du denn hier, so spät in meinem Auto?“

„Siehst Du doch, mit Dir reden.“

„Stimmt. Ich dachte immer Birkenfalter, würden sich nur auf Birken entfalten?“

„Normalerweise schon. Aber ich bin nicht normal. Ich bin imaginär. Übrigens kannst Du mich Birk nennen.“

„Warum bist Du hier, Birk?“

„Ich möchte mit Dir den Ansatz aus dem Plateau-Text erweitern.“

„Das ist sehr schön.“

„Wir Mutanten müssen doch zusammenhalten.“

„Nur Mutanten?“

„Nein. Aber vor allem. Der Grund ist, weil nur Mutanten und die Natur selbst, Nichtmutanten mutieren können. Leider sind der Natur die Ambitionen von Mutanten und Nichtmutanten nicht sonderlich wichtig.“

„Was? Wie sollen Nichtmutanten zu Mutanten mutieren?“

„Über einen Umweg.“

„Hähh?“

„Ja, schon mal was von der Innovationstheorie gehört?“

„Nein.“

„Es ist meine Theorie.“

„Ich bin ganz Ohr.“

„Siehe Dir die Farben meiner Flügel an.“

„Ja, Birkengrau.“

„Meine Vorfahren hatten birkenweiße Flügel.“

„Ich bin zwar Mensch, aber ich kann nur für einen gewissen Teil der Umweltverschmutzung etwas.“

„Das sollte kein Vorwurf sein. Weißt Du, wir Birkenfalter brauchten mal einen Tapetenwechsel. Wir können gut mit der neuen Farbe leben. Eigentlich habe ich Euch mein Leben zu verdanken.“

„Und was hat das mit dem Plateau-Text zu tun?“

„Ihr schreibt doch, dass der Mensch die Umwelt beeinflusst.“

„Ja, beim Schreiben musste ich auch sofort an euch Birkenfalter denken.“

„Ihr schreibt, dass der Mensch, wenn er unvorsichtig wird, die Natur zu schnell zu Veränderungen führt, als das er ausreichende Zeit hätte, sich anzupassen.“

„Ja und?“

„Evolution mag Zufallskomponenten enthalten, aber sie ist nicht zufällig. Unsere Mutation mag ein Spiel der Natur gewesen sein, aber unser Überleben wurde Durch die Umfärbung von Birkenstämmen gesichert.“

„Ich glaube, ich begreife es langsam. Wir haben uns in unserer Entwicklung immer der Natur angepasst. Mit der Zeit lernten wir, die Natur zu verändern. Aber eher zum Nachteil.“

„Ja, weil das Bewusstsein der Menschen bisher nicht für anderes ausreichte.

Sagtest Du nicht einmal, man bringt einem Fisch nicht das Fliegen bei?“

„Ja, das sagte ich, Birk.“

„Aber man kann einem Fisch das Springen beibringen.

Ein Flug ist ein evolutionärer Sprung. Die Wahrscheinlichkeit, dass Kinder das Fliegen lernen, also Mutanten sind,  ist größer, wenn die Eltern Ihnen das Springen zeigen konnten.“

„Du meinst, wenn wir Natur, also die Umwelt, neu formen, könnten wir mit einer größeren Wahrscheinlichkeit erreichen, dass die Mutanten dauerhaft überleben, sich vermehren und sogar im Einklang mit Nichtmutanten interagieren, die zu Halbmutanten wachsen?“

„Genau.“

Meine Aufgabe ist erfüllt. Ich fliege zurück in Dein Unterbewusstsein und suche mir eine Birke neben der Höhle von Sokrates und Platon.“

„Aber die Birken von damals sind doch weiß.

„Ich werde nicht getötet, bin doch imaginär…“

„Ach ja. Grüße die beiden von mir und vielen Dank für Deine Anregungen.“

„Ich tat mir damit selbst ein Gefallen. Bis irgendwann, und vergiss mich nicht; Ich bin Birk N. Falter, Entwickler der Innovationstheorie.“

„Ich werde Dich nicht vergessen. Bis bald, mein Freund.“

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Part II:

Einige Wochen danach, kam es zu einem weiteren Dialog.

 II. Gespräch

Ach, da bist Du ja wieder.

Warum wolltest Du Dich eigentlich das letzte Mal auf eine imaginäre Birke zurückziehen? Du hättest doch auch jeden anderen imaginären Baum wählen können ?“

„War Dir das in diesem Moment klar ?“

„Ähh, nein Birk, ich hatte erst in Deiner Abwesenheit darüber nachgedacht.“

„Hättest Du darüber einen Gedanken verschwendet, wenn ich nur gesagt hätte, ich zöge mich jetzt zurück ?“

„Nein.“

„Siehst Du, deshalb sagte ich Dir, ich würde mich auf eine Birke begeben.“

„Es wäre mir jedoch aufgefallen, hättest Du Dich auf einen anderen Baum gewagt.“

„Ich weiß. Aber ich bin ein Teil von Dir und unterliege in geringerem Maß auch der Macht Deiner Trägheit.“

„Ich hoffe, wir können das Maß noch reduzieren.“

„Ich auch, dann könnte ich Birken mehr abgewinnen, weil ich wüsste, dass ich eine Birke aus einer Laune heraus und nicht wegen eines nicht mehr notwendigen Triebes, bevorzugen könnte.“

Ich wollte mit Dir noch eine kurze Diskussion über Mutanten führen.“

„Deshalb bin ich hier.“

„Irgendwie habe ich das Gefühl, Du hättest mir nur die halbe Wahrheit erzählt.“

„Dieses Gefühl täuscht Dich nicht. Ich bin kein Lehrbuch, was Du überfliegen kannst. Ich kann zwar fliegen, aber könnte dies nicht über die Grenzen Deines Wachbewusstseins hinaus. Also warte ich, dass Dein Wachbewusstsein für unsere Treffen und die Art, wie wir miteinander umgehen, ausreicht.“

„Ich verstehe. Je mehr es mir gelingt, die Barriere zwischen Wach- und Unterbewusstsein Richtung Unterbewusstsein zu schieben, desto aufrichtiger wirst Du und desto öfter wirst Du mich auch besuchen, richtig ?“

„Exakt.“

„Birk, eigentlich gibt es doch nur Mutanten, oder ?“

„Ja, weil wir alle Teile der Evolution sind.“

„Aber es scheint unterschiedliche Arten von Mutanten zu geben.“

„Ja, aber nur eine, die für unsere Ambition wirklich wertvoll ist.“

„Zu diesem Schluss kam ich auch.“
“Das letzte Mal, als Du wegflogst, kam ich zur Idee, dass die Vorstellung von Fischen, denen man das Fliegen nicht beibringen kann, nicht richtig ist. Menschen könnten ein Aquarium bauen, ein Paar Fische hineinsetzen und es in ein Flugzeug legen. So hätten wir fliegende Fische und Vögel in Unterseebooten.“

„Ja, aber wozu sollten wir das tun ?“

„Stimmt Birk, es wäre nur ein (Evolution s) Schritt. Besser wäre es, wenn wir unsere Vorstellungen von Evolution und Mutanten von einer anderen Ebene aus betrachteten.

Wir könnten sagen, dass wir die Evolution beschleunigen könnten, vielleicht sogar in eine gewisse Richtung lenken, wenn wir davon ausgingen, dass alle Menschen über Facetten verfügen, die sich nur unter >>günstigen Bedingungen“ entfalten. Man könnte sagen, dass es einen Punkt gibt, an dem eine Rückbildung einer entfalteten Facette nicht mehr möglich ist. Bei allen Menschen allerdings können sich eine Vielzahl von Facetten, durch den Einfluss >>negativer Umstände<< wieder zurückbilden, wenn sie sich überhaupt jemals wahrnehmbar entfalten.“

„Und was sind nun genau >>negative<< und >>positive<< Umstände ?“

„Ich hatte gehofft, Du würdest mir hier weiterhelfen können, Birk.“

„Das kann ich. Am Anfang des Strebens eines Menschen steht immer die Emotion. Diese mag aus sehr vielen Komponenten bestehen, ich kann Dir nicht einmal sagen, wie viele es sind. Aber ich weiß, dass Verständnis eine Komponente ist. Eine mit ihr eng verflochtene ist Wissen. Eine weitere Mut, wobei Mut, Verständnis und Wissen auch Frage der Erziehung im besonders prägungsfähigen Alter ist.“

„Oder mangelnder Erziehung… Dann resultieren negative Umstände aus dem Nichtvorhandensein dieser und /oder weiter Komponenten ?“

„Exakt. Aber das Vorhanden- oder Nichtvorhandensein dieser Komponenten zu einem bestimmten Zeitpunkt, ist bei jedem Menschen unterschiedlich. Es könnte sein, dass eine Person zu einem bestimmten Zeitpunkt, durch das Kennenlernen einer oder mehrerer Personen zu einem beträchtlichen Zuwachs an Wissen und Verständnis gekommen ist, aber es fehlt ihr an Mut, dieses Wissen umzusetzen.“

„Ja, Birk. Eine andere Person könnte den Mut aufweisen, aber nicht über das nötige Verständnis oder Wissen verfügen, und so Ambitionen verfolgen, die eigentlich die Freiheit beschneiden, obwohl sie den Eindruck hätte, ethisch, im Sinne von Freiheit gewährend, zu handeln.“

„Wie Du siehst driftet die ursprüngliche Idee der Mutanten sehr stark ab. Allmählich wird offensichtlich, dass der Alltag gewalttätig ist. Jedes Handeln ist gewalttätig. Wenn wir eine Person, mit, aus unserer Sicht, mangelndem Verständnis und Wissen, so behandeln, wie sie es sich aufgrund ihrer Defizite wünscht, tun wir uns Gewalt an, weil wir davon ausgehen können, dass die Freiheitsbeschneidung, die von dieser Person ausgeht irgendwann auf uns oder Menschen, die uns etwas bedeuten, zurückfällt. Andererseits, behandeln wir einen solchen Menschen nicht nach seinen „Idealen“, würden wir ihn, zumindest für einige Zeit, in sehr düstere Gefühle stürzen. Wofür entscheidest Du Dich?“

„Das ist eine Gewissenfrage, Birk. In beiden Fällen ist regelrechter Psychoterror die Folge. Und wie wir gerade feststellten hängen solche Fragen mit Verständnis Mut und Wissen zusammen.

„Unter Nutzung der mir momentan vorliegenden Grenzen entscheide ich mich für eine effektiver scheinende Psychoterrorvariante:
Egal, wie groß das Ethikniveau eines Menschen ist,  es reicht immer aus, für zwei gegensätzliche Entscheidungen. Also werde ich ihn versuchen, zu den Handlungen zu bewegen, die ich für richtig halte, indem ich ihm mit einer Aktivität antworte, die er fähig ist zu verstehen. Danach könnten meine Prioritäten dieser Person gegenüber wachsen und es könnte möglich sein, später den Hintergrund meines Handelns zu erklären.“

„Du würdest damit Euch beiden einer gehörigen Portion Psychoterror aussetzen. Hast Du damit keine ethischen Probleme ?“

„Vom Gefühl her schon, vom Verständnis nein, Birk.“

„Letztendlich gewinnt der Stärkere und das war wohl immer im „Sinn“ der Natur.“

„Das mag sein. Aber es ist sehr grausam. Wir werden uns wiedersehen, wenn Du neue Erkenntnisse über die Thematik gewonnen hast. Bleibe stark.“

„Ich versuche es, aber manchmal fällt es mir sehr schwer.“

„Alles im Leben hat sein Preis.“

„Wohin fliegst Du jetzt ?“

„Auf eine Trauerweide. Dort werde ich Wilde, Kafka und Nietzsche gedenken.“

Grober Unfug auf Radio Fritz

„Blue Moon“ ist eine Talkradio-Sendung auf dem „Jugend-Radio“ Fritz. Das ist ein alternativ auftretender Sender, der mit öffentlichen Mitteln gefördert wird und an dem weder etwas alternativ noch jugendlich ist.

Gestern kam es dann zum Thema „Protest“. Interessanter Weise wurde die Sendung um eine Stunde reduziert. Weniger Zeit für den Protest, wie schade.
Das Publikum was zu Wort kam war entweder politisch verblendet oder völlig desorientiert. Einige verstanden unter *Protest* Spass, andere waren der Überzeugang, dass ihr Kreuzchen auf dem Wahlzettel irgendetwas bewirken würde. – Wie armselig.

Vor einiger Zeit wurde auf Fritz der Chatroom abgeschafft, mit der Begründung, dass Geldmittel fehlten, um ihn zu überwachen. Anschliessend wurde ein Blogbereich eingeführt, der so unübersichtlich ist, dass man von gedanklichem Austausch nicht mehr reden kann.

Unmittelbar nach meiner Aussage, dass ich längst aufgehört habe, an die Medien und die Politik zu glauben, wurde ich erstmal rausgeklickt. Aber ich wurde nett zurückgerufen… Die Leitung sei zusammengebrochen. Na sicher. – Warum hatte ich soetwas nur erwartet?

Dies ist ein Protest gegen Fritz, und es ist nur der Anfang.
Vielen Dank für die Aufmerksamkeit,

nemesus

Nemis Grillfest

Vor einigen Tagen lernte ich endlich wieder eine inspirierende Einrichtung kennen: Ein High-Tech-Fitness-Center. So etwas hat die Welt schon lange gebraucht!  

Die technischen Daten:

Trainingstermine werden per Internet bestimmt, eine Trainingseinheit dauert exakt 15 Minuten, was, je nach Trainings – Intensität zwischen 25 und 30 Stunden konventionellem Muskelaufbautraining entspricht. Danach brauchen die Muskeln ca. 48 Stunden Regenerationszeit.

Ich also hin. Zunächst einmal wurde mir ein Drink gereicht, den ich später noch brauchen sollte, dann bekam ich einen Stapel Wäsche, bestehend aus Shirt und Hose, und eine Marke. Ich ging an der Bar mit Aminosäuren in Reagenzgläsern, edelstahlgebürsteten Zapfhähnen für Energy-Drinks und einem an der Wand befindlichem Flatscreen vorbei, ließ eine High-Tech-Solarliege neben mir und stand schließlich in der Umkleide. Als ich mich umgezogen und meine Kleidung verstaut hatte, hielt ich, wie vorher besprochen, die Marke an das Schloss des Schranks. Daraufhin rastete das Ding ein, und die Marke „merkte“ sich meine Schranknummer.  

Im Umkleideraum 2 angelangt wurde ich nass gemacht. – „Damit der Strom besser leitet.“, wie man mir dabei erklärte. Anschließend wurde mir eine Art Anzug angezogen und 6 Kabel in die Hand gedrückt. Als Krönung verschwand die Marke in einen extra dafür vorgesehenen Schlitz meines Anzugs. Nun ging ich zum Trainingsraum. Geräte, die entfernt an ein Laufband ohne Laufband erinnert, dafür aber mit Display und Schaltpult ausgestattet waren, standen in Kreisformationen. Ich wurde verkabelt, und das Training begann.

Wer einmal unter Drogeneinfuß stand, und den Fehler machte, in den Spiegel zu sehen, erinnert sich sicher an dieses dümmlich euphorische Dauergrinsen, was er wahrnahm. Ich hatte zwar keinen Spiegel, und wenn ich ihn gehabt hätte, wäre ich zu beschäftigt gewesen, hineinzusehen, bin mir aber ziemlich sicher, dass ich genauso aussah.

Glücklicher Weise waren alle anderen Trainierenden im Raum zu sehr mit sich beschäftigt, um auf mich zu achten.

Meine Trainerin, die wohl die ersten 3-4 Male dabei ist, stellte mir stets sämtliche Knöpfe hoch. Ich liebte das. Arme und Beine zuckten im Takt, genauso wie Bauch, Rücken und Hintern. Nach 15 Minuten war ich schweißgebadet, aber glücklich.

Anschließend ging es zurück in Umkleide 2, wo ich vom Anzug befreit und mir die Marke aus dem Anzug in die Hand gedrückt wurde, danach in Dusche von Umkleide 1. Umziehen, Marke krallen, gebrauchte Wäsche nehmen, zurück in den Bar Bereich. Dort warf ich dann die gebrauchte Wäsche in den dafür vorgesehenen Wäscheschlitz und tausche meine Marke gegen den empfohlenen Eiweiß – Shake. – Kokos.

In meinen Augen war dieses Happening ein spirituelles Erlebnis, welches ich garantiert öfter wiederholen werde. Was könnte es schöneres geben, als lebendig gegrillt zu werden.

 Es handelte sich um das härteste Training, was ich je machte. Dagegen wirkte 1 Stunde konventionelles Fitness-Center wie ein Spaziergang.

Im nachhinein stellte ich sogar fest, dass selbst die Musik zum Center passte: Als ich trainierte dudelte gerade Michael Jackson mit seinem Bad-Album aus den Deckenlautsprechern.

Soll und Haben

Die Vision:
In der idealen Umgebung interagieren Menschen mit Achtung und Aktivität in einer Atmosphäre von Inspiration und Kreativität. Sie leben in einem Klima, in dem Gedanken fließen, Wissenschaft, Technik und Kunst sich frei entfalten, Kulturen einander bereichern und Religionen im Dialog zu neuen Höhen der Spiritualität gelangen. Differenziert denkende, weltoffene und neugierige Menschen haben Zeit für interessante Begegnungen, in denen sie sich gegenseitig spiegeln, von ihren Unterschieden lernen, und  Realität miteinander teilen. Tiefes Verständnis bildet das Fundament für gesteigerte Gerechtigkeit, reflektierte Loyalität, aufrichtige Harmonie und intensive Gefühle. Hier kann der eigene Horizont erweitert, die innere Ruhe wiederentdeckt und  Potenzial befreit werden. Der Existenzkampf ist Geschichte, freiheitsgenerierende Beziehungen werden gelebt und Kinder behutsam auf ihrem Weg begleitet. Bereitschaft und Fähigkeit, einander zu unterstützen, sind nahezu grenzenlos.  

 

Die Realität?
In unserer derzeitigen Umgebung, manche nennen es Gesellschaft, sind Ignoranz, Selbstgerechtigkeit und Mittelmaß die essentiellen Komponenten für pseudoerfolgreich geführte Leben. Das rudimentär fertiggestellte aber dennoch bereits scharfkantige Werkzeug >>Psychologie<<, mit dessen Hilfe wir erstmalig über die Postpubertät hinaus hätten intensiv fühlen können, wurde erfolgreich vom Markt zurückgezogen, gegen das bloße Label ersetzt und die verbleibende Lücke mit >>Massenmedien<< versiegelt. Wir leben nicht, wir simulieren Leben und gehen gegen alles vor, was die teuer erkaufte Gefühlsechtheit in Frage stellt. Stattdessen entwerten wir unsere eigenen Wünsche, stecken uns, und die Menschen, die wir vorgeben, zu lieben, in Schubladen und sichern uns gegenseitig in Internetforen vor jeder Eigenverantwortlichkeit und/oder Schuld ab. In einer Zeit, in der jeder begabt ist und zum Superstar werden kann, haben wir vor lauter Dumpfheit gar nicht gemerkt, dass wir einen neuen Level des Surrealismus etabliert haben. Wir spiegeln die emotionale Leere in unseren, mit Botox – behandelten, Fassaden und demonstrieren so eindrucksvoll, dass auch Ironie der Gefühlsechtheit unser Lebensimitation nicht mehr gefährlich werden kann.

nemis Logbuch (Freitag / 24.10.2008)

Ich habe mich aus Unity und dem Forum des Plateau weitgehend zurückgezogen, suche die Isolation, strebe danach, mich selbst wieder mehr zu „zentrieren“. Ich bin noch zu aufgewühlt, um mich konzentrieren zu können. Da sind diverse Dinge zu erledigen, doch im Moment, fehlt es noch an einer passenden Strategie. Es liegt Jahre zurück, dass ich mich in Meditation übte. – Nun führt mich das, was von meiner Logik noch übrig ist, wieder dorthin zurück. Ich werde einige meiner Einträge aus meiner Textverarbeitung in den WordPress-Bereich des Plateau transferieren. Wenn das Ding schon auf Sparflamme läuft, sollte ich wenigstens darauf achten, dass sie nicht erlischt. Zu meinem >>WorkInProgress<<, der Realisierung des Beyond-Rainbows-Projekt, kommen mir plötzlich wieder mehr Ideen. Auch das Schreiben scheint mir in dieser Zeit leichter zu von der Hand zu gehen. Tatsächlich könnte das Schreiben, was über Logs hinausgeht, das Schlüsselstück für das Puzzle sein, was ich schon seit Jahren nicht vollständig zusammengesetzt bekomme, wenigstens meinen Gefühlen nach zu urteilen. Auch Sport könnte eine Rolle spielen… Ich werde es sehen.

Projektsprünge

Ich habe vor längerer Zeit mein neuestes Projekt, ich nenne es BR, begonnen. Dieses umfasst das Schreiben eines Buches unter unter Nutzung eines Blogs, zusammen mit dem Kreieren von Malereien in „Regenbogenfarben“.

Am Anfang schien es mir, als hätte dieses Projekt nichts mit den anderen eigenen Projekten zu tun, die ich bereits erstellt habe. Ich zähle dazu das Plateau (P) selbst, und meine Web-Firma EN. Je länger ich jedoch an BR arbeite, desto mehr sehe ich Verbindungen zwischen den Projekten (untereinander) und auch zu meinem Leben. Ohne P hätte ich mir nicht die Fähigkeiten angeeignet, die mich dazu brachten, mittels EN Homepages zu verkaufen. Auch beabsichtige ich den Verkauf der Bilder von BR mittels EN abzuwickeln. Theoretisch (und hoffentlich auch praktisch) könnte BR genug Geld einspielen, um dem Plateau endlich sein erstes (reales?) Café zu spendieren. Darüber würde ich dann wieder zunächst hier, und später in BR schreiben. Zu allem Überfluss stelle ich fest, dass alle genannten Projekte wesentlich komplexer sind, als ich zunächst annahm. In dieser Hinsicht, und das wollte ich bereits mit dem Titel dieses Blogs andeuten, merke ich eine Verhaltensänderung in mir. Während ich früher wirklich auf jede Hohlfrucht in anderen Foren geantwortet hätte, investiere ich meine Zeit lieber in sinnvollere Dinge. (Zum Beispiel Wäsche waschen …)

– Spaß bei Seite… 
In  dieser Zeit springe ich einfach gerne von Projekt zu Projekt. 

nemi, der Hüpfer